Leinen - Schoten - Fallen

Eine Vielzahl von Leinen - kurze und lange - dicke und dünne - dienen an Bord einer Segelyacht zur Bedienung der Segel, aber auch zum Verholen und und zum Festmachen des Bootes im Hafen. Die Leinen haben verschiedene Aufgaben und sollten daher auch über verschiedene Eigenschaften verfügen.

 

Auf meinem Boot waren Leinen, die scheinbar jahrelang nicht verwendet wurden - teils auch noch die ersten ab Werft verbauten Leinen. Leinen unterliegen einem Verschleiß, der aus Belastung, Umlenkung, Sonnenlicht (UV) Seewasser (Salz) oder schnödem Schmutz entsteht. Es gab Leinen mit deutlichem Abrieb, Rissen, Knicken - steif und spröde, oder vermoost... Da die meisten Leinen hohe Kräfte übetragen, hatte ich mich zu Austausch aller Leinen entschieden. Viele der Rollen und Blöcke waren verschlissen oder gebrochen, die wurden direkt mitgetauscht, sowie die übrigen gereinigt und mit Silikon-Gleitmittel leichtgängig gemacht. Diesen Posten hatte ich zunächst unterschätzt, denn es wurden schnell deutlich mehr als € 1.000,- fällig...

 

Großschot

Mit der Großschot wird der Großbaum geführt. Hier findet eine weiche griffige Leine Verwendung, dick genug (12mm) zum "fahren aus der Hand". Diese Leine wird am Baum mittels eines Violinenblocks und Schotschäkel (mit Schraubsicherung) befestigt, am Traveller mittels Violinenblock (und Schotklemme) eingehakt. Der Traveller (auf einer Schiene quer vor dem Niedergang laufend) hat den Vorteil, dass das Großsegel noch dichter geholt werden kann, um so etwas mehr Höhe zu fahren. Die Großschot habe ich so abgelängt, dass sie den Auschlag des Baums bis zu seinem Maximum begrenzt, und das Ende selbstverständlich mit einem Achterknoten gesichert. Ohne diese "Sicherung" könnte die Schot unkontroliert aus dem Block "ausrauschen", was nicht nur mögliche schwerde Schäden (Baumgelenk, Baum, Wanten...) verursachen kann, sondern auch gefährliche Situationen nach sich zieht...!

Grossfall

Das Großfall dient zum hochziehen und durchsetzen (stramm ziehen) des Großsegels. Das Großfall wird mittels eines Schäkels (mit Steckbolzen) an der Kopfplatte des Segels befestigt. Von dort aus aussen am Mast hoch bis zum Mastkopf, und über eine Umlenkrolle durch das Innere des Mastes wieder herunter, um diesen auf Hüfthöhe wieder nach aussen zu verlassen. Am Mastfuß wird das Fall durch einen Rollenblock umgeleitet und ins Cockpit zu den Fallenstoppern geführt.

Über die hinter den Fallenstoppern liegenden Fallwinschen wird das Großfall durchgesetzt (gespannt), dann die Klemme des Fallenstoppers geschlossen und fertig ist das "Setzen des Großsegels"!

 

Damit das Groß so bleibt, und nicht wieder locker wird, wurde bauzeitlich ein Fall aus Stahldraht mit angespleister Leine verbaut. Dieses habe ich komplett getauscht durch ein ein besonders reckarmes und etwas steiferes Dyneema-Fall von 8mm Dicke. Die Verbindung von sauberen und leichtgängigen Mastrutschern / leichtgängigen Rollen und Blöcken und das leichte Dyneema-Fall lassen das Groß, wenn es losgeworfen wird, komplett bis auf den Baum runterfallen. Mittlerweile setze ich das Groß auch ohne Winsch, die letzten cm mit einem beherzten Zug am Fall, Klemme zu und fertig!

Dirk

Die Dirk verhindert das runterfallen des Mastbaumes, wenn kein Groß gesetzt ist. Die Dirk ist am Ende des Baums befestigt (Schäkel), geht zum Mastkopf hoch und wird wie das Großfall durch das Mastinnere zum Mastfuß geleitet, um von dort wieder ins Cockpit zu den Fallenstoppern geleitet zu werden. Die alte Dirk war nicht nur verschlissen und spröde, sondern auch vermoost. Der Austausch ist wie beim Großfall recht spannend, da mit der alten Leine die neue durchgezogen werden muss. Es geht darum, die alte mit der neuen Leine möglichst schlank und fest zu verbinden...

Seelen und Mantel der Leinen unterschiedlich abgelängt, ineinander geschoben und mit Takelgarn FEST umwickelt, das ganze mit dünnem Tape umwickelt. Dann der Reißtest: mit grober Kraft versuchen, diese Verbindung zu zerreissen! Denn wenn die Verbindung im Mast während des Durchziehens reisst, na herzlichen Glückwunsch! Aber: alles gut geklappt - natürlich bei liegendem Mast, so konnte ich gleich die Rollen im Mastkopf prüfen, neue Splinte einsetzten und Grate (enstanden durch das alte Stahlfall) entfernen.

Unterliekstrecker

Die untere Seite des Großsegels, das Unterliek, wird in die Kederleiste des Mastbaumes eingezogen und durch den Unterliekstrecker stramm gespannt. Dazu wird eine kleine Winsch, die an der Unterseite des Baums montiert ist, verwendet. Auch hier war noch der bauzeitliche Zustand in Form eines Stahldrahtes mit angekauschter Leine vorhanden. Der Ausbau war schwierig, da die Verbindung Draht/Leine im Mastbaum mit einer Kausch ausgeführt war, und diese sich nicht aus dem Baum ziehen ließ. Da die aus Alu-Guß bestehenden Baumenden angenietet waren, bliebt mir nur eine mehrstündige Operation mit Skapell und Endoskop, um die Kausch abzuschneiden... Die Geduld hatte sich gelohnt.

Ich zog eine 6mm Dyneema-Leine SK78 (1,65to Bruchlast) ein, diese passte genau in die kleinen Umlenkrollen, die ehemals für die dünnen Drahtleinen ausgelegt waren!

Reffleinen

Bei zunehmendem Wind muss die Segelfläche verkleinert werden, um unnötige Schräglage (Krängung) des Bootes zu mindern. Dies geschieht durch "Reffen", beim Großsegel durch herablassen desseleben und einhaken in die Reffkausch am Mastgelenk und dichtholen der Hinterliek über die Reffleinen.

Baumniederholer

Da besonders bei raumen Winden der Mastbaum durch die entstehende (und unerwünschte) Wölbung des Groß ansteigen würde (Verschlechterung des Segelprofils), wird dieser durch den Baumniederholer daran gehindert. Ab meinem Boot geschiet dies durch eine Niederholertalje, die über Umlenkblöcke am Mastfuß in Cockpit geleitet wird.

Genuafall

Das Genuafall zieht - hier bei der SatNam vorhandenen Rollreffanlage - nicht direkt die Genau nach oben, sondern den "Genuaschlitten", an dem der Segelkopf der Genua eingeschäkelt ist. der Genuaschlitten ist Teil der Rollanlage, welche die Genau wie eine Markise "aufwickelt" d.h. im Normalfall bleibt das Genaufall ständig durchgesetzt. Jedoch aus Gründen der Materialschonung "entspanne" ich das Genaufall, wenn ich das Boot im Hafen verlasse. Auch hier habe ich mich für hochwertige, reckarme Dyneema-Leinen entschieden.

Festmacher

Festmacherleinen gibt es in verschiedenen Ausführungen, den Preis betreffend auch in "sehr günstig" bis "sehr teuer"... Für mein Boot habe ich eher schlanke (14mm dick), dafür qualitativ hochwertige Leinen angeschafft. Hochwertig bedeutet für mich, eine möglichst glatte (gleitfähige) Oberfläche und gutes Dehnungsverhalten zu haben. Eine glatte Oberfläche hilft sehr, wenn eine Festmacherleine im Hafen oder in der Schleuse schnell eingeholt werden soll, ein verklemmen oder verkinken muss unbedingt vermieden werden - besonders bedeutsam beim Einhandfahren! Die gute Dehnung wirkt ruckdämpfend, bei Wind oder Schwell im Hafen erhöht die die Qualität der Nachtruhe...

Ich verwende je einen Satz (je 4 Leinen) in 8m und in 14m Länge. Die beiden Sätze habe unterschiedliche Farben, so sind im Fall der Fälle die Leinen schneller zu erkennen.

Übrigens, die Festmacher sind keine Leichtgewichte, vor allem, wenn sie nass sind! Und ein nasser 16er Festmacher ist fast doppelt so schwer als ein 14er !!