wellenanlage

Die Wellenanlage wurde komplett erneuert.

  • Neue Welle Ø25 aus V4A (1.4462) tatsächlich seewasserbeständiger Edelstahl, im Bereich der Wellendichtung und des Wellenlagers im Stevenrohr poliert. Mit Volvo-Konus 1:20, so kann der alte überarbeitete Propeller im Notfall montiert werden.
  • Neue Volvo-Wellendichtung und neues wassergeschmiertes Wellenlager (Gummi in Bronzebuchse) im Stevenrohr
  • Neuer 2-Blatt Propeller 15x9" linksdrehend NiBrAl-Bronze (mit aktueller Auslegung)
  • Neue Anoden an Wellenmutter und Welle

aufbau der wellenanlage

Der Aufbau der Wellenanlage sieht hier* so aus, daß die Propellerwelle vom Motor aus - durch das schräg durch den Rumpf verlaufende Stevenrohr - bis zum Propeller führt. Am Motor ist die Welle über eine Flanschkupplung mit dem Getriebe verbunden, das Getriebe stellt also das obere Lager dar, und leitet die Schubkraft des Propellers durch den Motor - über die 4 elastischen Motorlager - in den Bootsrumpf ein.

Das zweite Wellenlager ist ein "wassergeschmierte" Gleitlager, welches am Ende des Stevenrohres eingebaut ist. Am oberen Ende im Bootsrumpf befindet sich die Wellendichtung (auch Stopfbuchse genannt).

Das Gleitlager besteht aus einer Bronzehülse, in der ein längsgerilltes Gleitlager aus Gummi einvulkanisiert ist. Durch diese Längsrillen tritt Wasser ein, welches durch das Stevenrohr bis zur Wellendichtung aufsteigt. In der Wellendichtung befinden sich 2 schräge Dichtlippen, die den Wassereintritt ins Boot verhindern (sollen!) Damit die Dichlippen auf der Welle sauber aufliegen und keine Querkräfte aufnehmen müssen, ist in der Wellendichtung nochmal eine längsgerillte Führungskontur vorhanden.

Mit dem (See)Wasser tritt natürlich auch eine gewissen Menge Verschmutzung in das Stevenrohr ein und führt nicht nur im Gleitlager und in der Wellendichtung zum Verschleiß, sondern verschleißt auch die Wellen im Bereich von Lager und Dichtung.

Für das Lager und besonders für die Dichtung muss sichergestellt werden, das sie immer wasserumspült sind und nicht trocken laufen. Trockenlauf kann zum unmittelbaren Ausfall der Dichtung führen. Nun kann man annehmen, da das Stevenrohr und auch die Wellendichtung unter dem Wasserspiegel sind, sich dort auch immer Wasser befindet. Tatsächlich kann sich aber im Bereich der Dichtung eine Luftblase bilden, die die Dichtung trocken laufen lässt.

Daher ist es für mich Pflicht, die Wellendichtung vor jedem Motorstart (nach längerer Stillstandzeit) zu "entlüften". Dazu drücke ich kräftig mit einer Hand auf die Wellendichtung, bis am Übergang zur Welle Wasser austritt. So stelle ich sicher, dass die Dichtlippen nicht trocken laufen. Da die Wellendichtung je nach Bootstyp nur schwer zu erreichen ist, wird diese Vorgehensweise bei vielen Booten schnell vergessen... Ausserdem sind die Dichtlippen entsprechen der Herstellerempfehlung 1x pro Jahr mit etwas Spezialfett zu schmieren. Dazu werden mit der Dichtung eine kleine Montagehilfe und eine Tube Fett mitgeliefert.

 

*hier = Je nach Antriebsart eines Bootes kann ein anderer Aufbau vorliegen, z.B. werden längere Wellen mit Zwischenlagern versehen, und es können Kupplungen verbaut sein, die ein Wellenspiel ausgleichen können. Bei einem Boot mit Saildrive entfällt das ganze Wellengedöns... dafür können hier ganz andere Probleme auftauchen...

 

Welle Ø25

Die bisherige Welle hatte im Bereich des Wellenlagers und der Wellendichtung deutliche Verschleißspuren, es gab einige Riefen und der Materialabtrag betrug einige 1/10 mm. Fast 40 Jahre alt und trotzdem blitzeblank, kein Rost, keine Korrosion? Da wurde wohl schon 1979 ein hochwertiger Edelstahl verbaut!

 

Daher habe ich aus V4A - genaue Bezeichnung 1.4462 - eine neue Welle anfertigen lassen, die - im Gegensatz zu fertig konfektionierten Wellen - den "Volvo-Konus" und die Passfedernut der alten Welle hat. Dies hat den Vorteil, dass der "alte" Propeller (nach einer Instandsetzung) auch auf die neue Welle passt! Aber...?? Wieso passt dann der neue Propeller auf den alten Volvo-Konus?

 

Propeller 15 x 9

Der neue Propeller passt deshalb, weil sich die Firma Gröver Propeller aus Köln in der Lage sah, einen neuen Propeller - mit auf dem Stand der Technik - für dieses Boot neu ausgelegtem - Profil zu liefern incl. des Volvo-Konus von 1:20 und dazugehöriger Passfedernut. Nun passt nicht nur der neue Propeller auf die neue Welle, sondern auch der alte Propeller auf die neue Welle... so kann der alte Propeller nach einer Instandsetzung für einen Notfall an Bord mitgeführt werden.

Die erste Fahrt mit dem neuen Propeller zeigte bereits deutliche Vorteile! Nicht nur ein deutlich ruhigerer Lauf (keine Luftblasen mehr im Kielwasser), sondern auch mehr Geschwindigkeit bei gleicher Drehzahl... im Umkehrschluss stellte ich fest, dass ich nun bei gleicher Geschwindigkeit weniger Motordrehzahl brauchte! Verneigung vor Herrn Gröver!!

 

Wellendichtung

Weil die Wellendichtung - auch Stopfbuchse genannt - ein wichtiges Bauteil ist, habe ich mich für eine Original Volovo-Wellendichtung entschieden. Der Verpackung ist eine genaue Einbauanleitung, die notwendige Befestigungsschelle aus Edelstahl, eine Tube Spezialfett und eine Montagehilfe beigepackt. Abgesehen von der Zugänglichkeit ist die Montage kein großes Problem, aber auch hier sorgfältige Durchführung besonders wichtig, um eine dauerhafte Dichtigkeit zu erreichen. Es ist nicht zu empfehlen, die Montage beim im Wasser liegenden Boot durchzuführen :-) !

Zunächst wird der Propeller demontiert, dann die alte Dichtung gelöst, die Welle vom Getriebflansch gelöst - und in Richtung Stevenrohr geschoben - um Montageraum zu schaffen.

Die alte Dichtung wird abgezogen, die neue Dichtung aufgezogen - und besonders wichtig - unter Verwendung der beigefügten Montagehilfe! Diese besteht aus einer dünnwandigen längsgeschlitzten Kunststoffhülse, die die beiden schrägen Dichtlippen im inneren der Dichtung schont und in die richtige Einbaulage bringt. Das Innere der Dichting wird mit einer kleinen Menge Spezialfett versehen.

Dann wird die Dichtung über das Stevenrohr gestülpt und mittels der Edelstahlschelle befestigt.

Sehr wichtig ist hierbei eine saubere Einbaulage und die Verwendung des kleinen Stützbleches der Schelle, die ein Verspannen der Dichtung verhindert. Anschließend soll die Welle in der Dichtung (nach dem entfernen der Montagehilfe) leichtgängig sein. Die Welle wird nun wieder in die Kupplung gezogen befestigt.

Hierbei ist sicherzustellen, dass die Welle zum Kupplungsflansch einwandfrei fluchtet. Ist das nicht der Fall, muss der Motor über seine vier Befestigungen (Schwinglager) entsprechend ausgerichtet werden.

(Würde man eine Wellendichtung auf eine gebrauchte Welle aufbringen, müsste natürlich auch die Welle geprüft werden und sichergestellt sein, dass sich diese in einwandfreiem Zustand befindet)

Da sowohl Wellendichtung als auch Wellenlager wassergeschmiert sind, sollte kein Probelauf unter Motor im Trockenen durchgeführt werden.

 

Wellenlager

Das Wellenlager (Gleilager) sitzt im unteren (wasserwärts) gelegenen Ende des Stevenrohrs und besteht aus einer längsgerillten Gummihülse, die in eine Bronzebuchse einvulkanisiert ist. In meinem Fall hatte das Lager zu viel Spiel (Verschleiß am Gummilager und Verschleiß an der Welle), sodaß ich das Lager getauscht habe. Auch hier ist eine Demontage der gesamten Wellenanlage erforderlich. Die Welle lässt sich nicht ins Bootinnere ausbauen, der der Motor im Wege steht... also nach aussen damit... doch da ist der Skeg des Ruders im Weg! Was ist zu tun? Den Motor ausbauen??

Weit gefehlt, es ergab sich, das die Welle haarscharf am Skeg vorbei passte, clever konstruiert, so ein Boot...

Der Ausbau des Gleitlagers erwies sich als schwierig, das die alte Buchse im Stevenrohr sehr fest saß. Meine Herausforderung war ein gewaltfreier Ausbau... also mit einem PUK-Sägeblatt das Lager längs geschlitzt und dann mit einem Schlagauszieher sanft herausgeklopft. Die alte Bronzebuchse war aber durch Korrosion spröde und verbog und zerbrach bei Ausbau. Vorher habe ich natürlich einen kleinen Gewindestift (zöllig!!) entfernt, der das Gleitlager axial sichert.

Der Einbau des neuen Lagers war simpel, dies passte mit leichtem Gummihammereinsatz in das Stevenrohr. Vorher habe ich am neuen Lager die Stelle, an der später der kleine Gewindestift sitzt, vorgebohrt - um bei seinem späteren einschrauben die Bronzebuchse nicht zu beschädigen.

 

Fazit

Warum habe ich die ganze Aktion gemacht?

Bei Besichtigung des Bootes war eine ganze Menge schmutziges Wasser in der Bilge, was ich auf eine Undichtigkeit des Wellenlagers zurückführte (was sich später als nicht ganz richtig herausstellte). Die Welle hatte im Wellenlager deutliches Spiel. Daher war ein Ausbau sowieso nötig. So wuchs die Entscheidung, die komplette Wellenanlage, die ja nun fast 40 Jahre alt war, zu erneuern. Wenn die neue Anlage wieder 40 Jahre hält... ist alles OK :-)